Inclusive language

Was ist inklusive Sprache? Und warum sollte mich das interessieren?

Inklusive Sprache im persönlichen Kontext nicht zu verwenden hat soziale Konsequenzen. Wird sie im geschäftlichen Kontext nicht verwendet, entstehen wirtschaftliche Kosten. Aber was ist eigentlich inklusive Sprache? (Sie geht viel weiter als Geschlechtsneutralität.) Und warum ist sie von zentraler Bedeutung für die Bemühungen vieler Firmen um mehr Diversität und Inklusion?

Inklusive Sprache im persönlichen Kontext nicht zu verwenden hat soziale Konsequenzen. Wird sie im geschäftlichen Kontext nicht verwendet, entstehen dem Unternehmen wirtschaftliche Kosten. Aber was ist eigentlich inklusive Sprache? (Sie geht viel weiter als Geschlechtsneutralität.) Und warum ist sie von zentraler Bedeutung für die Bemühungen vieler Firmen um mehr Diversität und Inklusion

Haben Sie sich beim Schreiben, sei es beruflich oder privat, schon einmal gefragt, ob Sie wirklich die ganze Diversität Ihres Zielpublikums ansprechen? Stellen Sie sicher, dass Sie mit Ihrer Sprache dieses wirtschaftliche und soziale Potenzial nutzen?

Durch die jüngsten sozialen Bewegungen und einen bewussteren Blick auf unsere Bevölkerung ist vielen Menschen und Unternehmen bewusst geworden, dass unsere soziale und geschäftliche Welt tatsächlich sehr vielfältig ist. Für viele Unternehmen ist die Investition in Diversität und Inklusion wirtschaftlich wichtig geworden. Jedes Arbeitsumfeld und jede Geschäftsbeziehung muss viele verschiedene Dimensionen der Vielfalt berücksichtigen - ethnische Hintergründe, Hautfarbe, Geschlecht, Geschlechtsidentität, sexuelle Orientierung, körperliche und geistige Fähigkeiten, Alter, sozioökonomische Unterschiede, religiöse Überzeugungen, Bildung, Kultur und vieles mehr.

Wie wir mit diesen verschiedenen Dimensionen der Diversität umgehen, ist für jedes Unternehmen wirtschaftlich relevant. Unsere Kundinnen* und Kunden sind keine homogene Gruppe und reagieren auf Marketingbotschaften je nach Diversitätsdimension sehr unterschiedlich. Und unsere bestehenden oder potenziellen Arbeitskräfte haben je nach Hintergrund unterschiedliche Bedürfnisse.

Wie gehen wir also als Unternehmen mit diesen komplexen Gegebenheiten um? Oder als Einzelperson in unseren Geschäftsbeziehungen?

Viele Unternehmen führen Schulungen zum Thema Diversität oder unbewusste Voreingenommenheit (unconscious bias) durch. Leider hat die Wissenschaft herausgefunden (1), dass solche Trainings oft keine Wirkung zeigen. Manchmal sind sie sogar kontraproduktiv, weil Menschen in eine defensive Position gedrängt werden. Andere nutzen das Thema als politisches Schlachtfeld, was wiederum Lernen unmöglich macht.

Personen, die es wagen, auf einen bewussteren Umgang mit einer bestimmten Diversity-Dimension aufmerksam zu machen, müssen sich exponieren. Das kann für die Karriere im Unternehmen sogar schädlich sein. Oder sie werden von Kolleg*innen wegen ihres Engagements kritisiert.

Daher scheinen weder Schulungen noch individuelle Maßnahmen eine gute Strategie zu sein, wenn ein Unternehmen sicherstellen muss, dass die Dimensionen der Diversität berücksichtigt werden.

Auf die Sprache kommt es an

Ein Werkzeug, das wir täglich nutzen, ist die Sprache. Sprache drückt unsere Vorstellungen vom Leben aus. Mit Sprache beschreiben wir die Welt um uns herum, unsere Gefühle und unsere Ziele.

Worte lösen Bilder vor unserem geistigen Auge aus. Diese Bilder werden dann mit unseren eigenen Erfahrungen oder Lebensmustern in Verbindung gebracht. Es macht also einen Unterschied, welche Worte wir verwenden, denn sie haben die Kraft, bestimmte Bilder auszulösen. Das bedeutet auch, dass die Sprache eine aktive Rolle bei der Gestaltung unserer Ansichten spielt. Sie ist kein reines Symptom unserer Umwelt, sondern: Sie prägt die Wirklichkeit. Sprache ist nicht neutral. (Wenn Sie mehr über unbewusste Voreingenommenheit und Voreingenommenheit in der Sprache lesen möchten, lesen Sie unseren Blogbeitrag https://www.witty.works/post/introduction-to-unconscious-bias-and-its-effects-series-on-bias-i).


 

Hier ist ein kleines Rätsel, damit Sie selbst erfahren können, wie Worte Bilder auslösen und Sie in eine falsche Richtung führen können:

Lesen Sie diese Geschichte.

Ein Vater und sein Sohn fahren gemeinsam im Auto und haben einen grässlichen Autounfall. Der Vater ist sofort tot. Der Sohn wird mit Blaulicht ins Krankenhaus gefahren und sofort in den Operationssaal gebracht. Die Pflegeperson im Einsatz besieht ihn sich kurz und meint, man müsse einen Spezialisten zu Rate ziehen. Die betreffende Person kommt, sieht den jungen Mann auf dem Operationstisch und sagt: «Ich kann ihn nicht operieren, er ist mein Sohn.»

Wer sagt diesen letzten Satz? (Finden Sie die Antwort am Ende dieses Blog Posts.)


 

Die Wissenschaft hat festgestellt (2), dass die Sprache, die wir heute verwenden, leider immer noch viele Stereotypen aus längst vergangenen Tagen enthält. In unserer geschäftlichen Kommunikation transportieren wir - meist ungewollt - immer noch sehr alte Stereotypen, in denen Sklaverei noch akzeptabel war, Frauen nicht in den öffentlichen Raum gehörten und Menschen mit körperlichen Behinderungen ständig beleidigt wurden.

Aber das ist ein großer Unterschied zur heutigen Welt. Wir wollen auf eine Weise kommunizieren, die Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund anspricht und involviert. Wir wollen eine Sprache sprechen, die zu einer diversen und inklusiven Welt passt. Aber unsere eigene Sprache, die auf unbewussten Voreingenommenheiten beruht, spielt uns einen Streich, ohne dass wir es merken. Sowohl als Einzelpersonen als auch als Unternehmen bleiben wir in der Vergangenheit gefangen.

Inklusive Sprache als Lösung

Wenn uns das wichtig ist, müssen wir uns um unseren Sprachgebrauch kümmern.

Nehmen Sie zum Beispiel die Inuit. Sie haben viele Wörter für verschiedene Arten von Schnee, weil Schnee einen so großen Einfluss auf ihr Leben hat. Für sie ist es wichtig, die verschiedenen Schneearten mit bestimmten Namen zu bezeichnen. Sie haben ihren Wortschatz erweitert, weil ihnen etwas am Herzen lag. Wir sollten dasselbe tun. Wir sollten unsere Sprache inklusiv gestalten - damit zeigen wir, dass uns die Menschen wichtig sind, die wir nun einbeziehen wollen.

Und diese Lösung heißt "inklusive Sprache" - eine viel bewusster gewählte Sprache, die alle ansprechen kann. Wikipedia definiert inklusive Sprache so:

"Inklusive Sprache zielt darauf ab, Beleidigungen zu vermeiden und die Ideale des Egalitarismus zu erfüllen, indem Ausdrücke vermieden werden, die sexistische, rassistische oder anderweitig voreingenommene, vorurteilsbehaftete oder verunglimpfende Ideen gegenüber einer bestimmten Gruppe von Menschen (und manchmal auch Tieren) ausdrücken oder implizieren. (...) Ihre Befürworter argumentieren, dass Sprache oft dazu benutzt wird, Vorurteile aufrechtzuerhalten und zu verbreiten, und dass die Absicht, eine inklusive Sprache zu verwenden, dazu beitragen kann, produktivere, sicherere und profitablere Organisationen und Gesellschaften zu schaffen." (3)

Hier ist zunächst einmal festzuhalten: Bei inklusiver Sprache geht es um viel mehr als nur um geschlechtsneutrale Begriffe und auch um viel mehr als nur den Gender-Stern oder Doppelpunkt.
Zweite Anmerkung: Wir mögen diese Definition, aber hier bei Witty Works gehen wir noch weiter. Unserer Ansicht nach ist inklusive Sprache noch mehr. Es geht um:

  • Alle ansprechen. Viele Ausdrücke, die wir verwenden, um jemanden oder eine Gruppe anzusprechen, sind tatsächlich oft nicht inklusiv. Und unbewusst haben diese Ausdrücke eine Wirkung. Beispiele:
    • Manche Konfessionen gehören traditionell zur "Männerwelt". Hinter solchen Wörtern löst unser Gehirn meist Bilder von Männern aus. Wie "Arzt", "Spezialist", "Anwender" (4). Da diese Bilder - unbewusst - in unseren Köpfen auftauchen, können sich Frauen oder nicht-binäre Personen nicht in diesen Rollen wiederfinden und fühlen sich aufgrund der Stereotypenbedrohung (5) unbewusst ausgeschlossen.
    • Wenn wir eine Zielgruppe in einem Mailing mit "Meine Damen und Herren" ansprechen, sind wir nicht inklusiv gegenüber Menschen, die nicht binär sind (Menschen, deren Geschlechtsidentität nicht mit der binären Sichtweise von "Mann"/"Frau" übereinstimmt).
    • Aber auch Titel drücken ein In-Group- oder Out-Group-Gefühl aus. Wenn Sie bei einer Veranstaltung jedes Mal den Titel "Professor" betonen, wenn Sie über diese Person sprechen, wirkt das auf jemanden, der kein Professor ist, wie ein klares hierarchisches Zeichen.
  • Alle einbeziehen. Wir müssen darauf achten, eine Sprache zu verwenden, in der sich alle vertreten und einbezogen fühlen können. Daher müssen wir also wissen, welche Wörter oder Wortkombinationen Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund abschrecken. Und wir müssen wissen, welche Sprache wir verwenden sollen, die alle Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund anspricht. Es liegt also an uns, dieses Vokabular in Bezug auf alle Dimensionen der Vielfalt zu finden: Ethnischer Hintergrund, Hautfarbe, Geschlecht, sexuelle Identität, sexuelle Orientierung, körperliche und geistige Fähigkeiten, Alter, sozioökonomische Unterschiede, religiöse Überzeugungen, Bildung, Kultur und viele weitere Dimensionen.
  • Ein Gefühl der Zugehörigkeit schaffen. Die Sprache hat die Macht, Zugehörigkeit zu schaffen. Das tut sie aber nur, wenn Texte mit Emotionalität, Nähe, Authentizität und auf Augenhöhe geschrieben sind. All diese Eigenschaften eines Textes sorgen dafür, dass sich Menschen jeglicher Herkunft respektvoll angesprochen fühlen und die menschliche Seite im Vordergrund steht. Kurzum: Wenn diese Merkmale in einem Text vorhanden sind, wird deutlich, dass alle dazugehören können.

 

Beispiel von nicht-inklusiver vs. inklusiver Sprache:

Nicht-inklusiv:
Als selbstständiger Projektleiter leisten Sie anspruchsvolle Arbeiten und erbringen gemeinsam mit Ihren ebenso ambitionierten Kollegen zielstrebig neue Höchstleistungen.

Inklusiv:
In der Projektleitung kümmern Sie sich um komplexe Aufgaben, übernehmen Verantwortung und unterstützen ein engagiertes Team. Zusammen erreichen Sie zuverlässig die gemeinsamen Ziele.


 

Warum sollte mich das interessieren?

Wir beobachten oft, dass Kommunikation in der Wirtschaft kalt, förmlich, Marketing-Blabla und eine Top-Down-Perspektive zum Ausdruck bringen. Oder sie vernachlässigt große Gruppen von Menschen mit diversem Hintergrund in der Art und Weise, wie sie angesprochen werden.

Sie könnten sich natürlich fragen: Warum sollte mich das interessieren?

In einem geschäftlichen Kontext sind Diversität und Inklusion äußerst wichtig. Sie führen zu mehr Innovation und höherer wirtschaftlicher Leistung (6). Zudem ist es ein ethischer Grundsatz: Alle in den Diskurs einzubeziehen, ihren Hintergrund zu respektieren, ist in der heutigen Welt, in der alle ein Recht auf ihren Platz haben, einfach das Richtige. Jede*r einzelne bringt wertvolle, wirtschaftlich relevante Perspektiven ein.

Wenn Sie sich nicht darum kümmern, hat das wirtschaftliche Kosten für Ihr Unternehmen:

  • Wenn eine Marketingkampagne nicht alle anspricht, gehen ihnen potenzielle Kund*innen verloren.
  • Wenn Sie in der internen Kommunikation nicht auf Ihre Sprache achten, könnten Sie die Loyalität von Menschen mit einer bestimmten Diversitätsdimension verlieren. Wenn das mehrmals passiert, verlassen sie das Unternehmen.
  • Wenn Sie auf Ihrer Karriereseite eine kalte oder künstliche Sprache verwenden, wird Ihre Arbeitgebermarke für viele potenzielle Talente nicht attraktiv sein.

Aber das ist nicht alles. In einigen Ländern laufen Unternehmen Gefahr, verklagt zu werden, wenn sie sich nicht an die Diversitätsgesetze halten. Oder es besteht immer das Risiko, dass ein Tweet oder eine LinkedIn-Nachricht eines Mitarbeitenden zwar rechtlich unproblematisch ist, aber innerhalb einer Sekunde den Ruf der Marke oder des Employer Branding zerstören kann.

Und: Diversität und Inklusion ist eine kluge Strategie, denn sie fördern Innovation und Produktivität in Teams.

Zusammenfassung

Inklusive Sprache ist in einer vielfältigen Welt und in Umgebungen, in denen eine inklusive Kultur erlebbar sein soll, ein Business Imperativ. Mit einer inklusiven Sprache sprechen Sie alle an, beziehen sie in den Dialog ein und sorgen dafür, dass ein Gefühl der Zugehörigkeit entsteht. Für Unternehmen ist es mit wirtschaftlichen Kosten verbunden, dies nicht zu tun. Daher ist eine inklusive Sprache für jedes Unternehmen eine kluge Entscheidung.

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In zukünftigen Blogs werden wir ausführlicher darüber schreiben, warum inklusive Sprache für Marketing, interne Kommunikation, externe Kommunikation, Recruiting und Organisations-/Kulturentwicklung relevant ist.

Mit dem Browser-Plugin "Witty" wird nicht-inklusive Sprache in der Kommunikation erkannt und Schreibende dabei unterstützt, stattdessen inklusive Sprache zu verwenden.

Zur Installation von Witty

 


Quellen:

(1) Iris Bohnet, “What works - Gender Equality by Design”, Seite 49 - 54

(2) Siehe https://www.witty.works/post/geschlechtsspezifische-formulierungen-in-stellenanzeigen-das-sagt-die-wissenschaft, https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0749597818301092?via%3Dihub and https://www.witty.works/post/voreingenommenheit-in-ki

(3) Siehe https://en.wikipedia.org/wiki/Inclusive_language

(4) Caroline Criado Perez, “Invisible Women : Exposing Data Bias in a World Designed for Men”, Seite 9

(5) Siehe https://en.wikipedia.org/wiki/Stereotype_threat

(6) Siehe https://www.bcg.com/publications/2018/how-diverse-leadership-teams-boost-innovation and https://www.ilo.org/wcmsp5/groups/public/---dgreports/---dcomm/---publ/documents/publication/wcms_700953.pdf

Lösung des Rätsels:

Höchstwahrscheinlich: Die Mutter

Ebenfalls wahrscheinlich, aber (noch) viel seltener: der zweite Vater eines männlich homosexuellen Paares mit einem Adoptivkind.

Haben Sie es erraten? Wie lange haben Sie dafür gebraucht? Worüber sind Sie gestolpert?

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