• Lukas Kahwe Smith

Ein "guter Kerl" zu sein, reicht nicht aus

Updated: Mar 19

Wenn Ihnen eine integrative Gesellschaft tatsächlich am Herzen liegt, ist es notwendig, aktiv zu werden. Ein wichtiger Schritt ist die Änderung Ihrer Sprache.


Ich habe mich immer als einer der "Guten" betrachtet und mich nicht als Teil des Problems gesehen. Ich habe mir einfach gewünscht, dass mehr Menschen so rücksichtsvoll wären wie ich.

Meine Frau ist Ingenieurin. Die Geschichten, die sie jeweils erzählt, machten mir plötzlich klar, dass es nicht ausreicht, einfach nur zu den "Guten" zu gehören. Ich musste aktiv werden. Aber als ich anfing, mich in das Thema zu vertiefen, wurde mir klar, dass ich tatsächlich Teil des Problems war. Nicht aus Böswilligkeit, sondern einfach, weil ich es nicht besser wusste und passiv blieb. Sprache und Gesellschaft hatten mich in einer Weise geprägt, in der ich den Teufelskreis weiterführte, ohne es zu merken.


Aber wie, fragen Sie sich bestimmt

Für mich ging es bei der Sprache um Effizienz und im Zweifelsfall um "was immer das Wörterbuch sagt". Ich hatte das Gefühl, dass Taten ohnehin wichtiger sind, solange die Menschen mehr oder weniger verstanden, was ich sagte. Was ich nicht erkannt habe, ist, dass Sprache dazu beiträgt, dass einige Menschen ein- oder ausgegrenzt werden. Als mir jemand sagte, ich solle aufhören, den Begriff "Guys" für gemischtgeschlechtliche Gruppen zu verwenden, geriet ich in eine hitzige Debatte darüber, dass "Guys" im Wörterbuch als gemischtgeschlechtliche Gruppen definiert wird. Ich habe nicht gesehen, dass die Muster in unserer Gesellschaft die Sprache geprägt haben und dass die Umgestaltung der Gesellschaft durch die Umgestaltung der Sprache erfolgen kann. Mir war auch nicht klar, dass wir die Sprache ständig veränderten. Ständig kommen neue Wörter in die Sprache (soziale Netzwerke, Smartphones ...). Alte Wörter bekommen neue Bedeutungen und andere Wörter kommen aus der Mode.


Sprache formt das Denken

Die Sprache formt das Denken: indem wir die Sprache verändern, können wir das Denken verändern. Wir können wenigstens unsere Bereitschaft zur Veränderung signalisieren. Das englische Wort für "fire-fighter" kam lange nach den ersten weiblichen "firemen". Wäre die Herausforderung, das Geschlechterklischee der ersten Feuerwehrfrauen zu durchbrechen, einfacher gewesen, wenn der Begriff "fire-fighter" schon immer verwendet worden wäre? Sprachen wie Deutsch und Französisch sind in dieser Hinsicht sogar noch viel schlechter als Englisch, da sie so stark geschlechtsspezifisch geprägt sind. So gibt es im Deutschen gar keinen geschlechtsneuralen Begriff analog zu "fire-figher".


Ich und andere erfahrene Referenten immer wieder auf einen prototypischen “Programmierer” mit dem Pronomen "er" verweisen. Wenn es im Publikum jemanden gibt, welcher "er" nicht als Pronomen verwendet - seien es Frauen oder nicht-binäre Personen -, werden sie sich nicht angesprochen fühlen. Sicherlich können sie darüber hinwegschauen, aber das erfordert emotionale Arbeit. Und wenn dies nicht ein- oder zweimal, sondern ständig geschieht, dann summiert sich das. Aber selbst wenn das gesamte Publikum sich selbst als "er" bezeichnet, würde dies immer noch die Wahrnehmung aufrechterhalten, dass “Programmierer” Männer sind.


Einige Gedankenexperimente

Einige von Ihnen, die Väter sind, haben es vielleicht schon erlebt. Dieses Gefühl, sich fehl am Platz zu fühlen, wenn alles, was eine Eltern-Kind-Beziehung betrifft, als Mutter-Kind-Beziehung angesehen wird. Sicherlich können Sie dies versuchen zu ignorieren. Jedoch als Eltern fühlen wir uns immer mal wieder überfordert. In diesem Moment kann all die emotionale Arbeit, all die Stimmen ignorieren zu müssen, die uns sagen, dass Kinder ihre Mutter einfach wirklich brauchen, zu viel werden. An diesem Punkt könnten wir als Väter dann eher geneigt sein, das Handtuch zu werfen, nicht weil wir es nicht können, sondern weil wir "getreten" wurden, als wir am Boden lagen.


Für diejenigen unter Ihnen, die keine Väter sind, hilft vielleicht ein anderes Gedankenexperiment. Wie würde es sich anfühlen, wenn bei einer Kundenveranstaltung zur Einführung einer neuen Datenbanktechnologie der Gastgeber der Veranstaltung das Publikum immer mit "Damen" ansprechen würde. Und in der Tat sind Sie einer der wenigen Männer auf der Veranstaltung, abgesehen von den Leuten, die Getränke servieren und Mäntel aufhängen. Alle Bilder würden zeigen, dass Frauen mit dieser neuen Datenbank erfolgreich sind. Wenn die Rede davon ist, wieviel Geld man damit machen kann, wird darüber gesprochen, welche schönen Sachen Sie Ihrem Mann kaufen können. Würden Sie denken, dass diese Datenbanktechnologie für Sie geeignet ist? Würden Sie denken, dass diese Firma Ihre Bedürfnisse versteht?


Ein Aufruf zum Handeln

Lassen Sie uns also alle daran arbeiten, unsere Sprache zu einer Gesellschaft umzugestalten, die die Vielfalt begrüsst und auf die Integration hinarbeitet. Hier sind einige erste konkrete Beispiele. Denken Sie daran, dass es hier nicht um Sie geht oder darum, wie Sie sich selbst identifizieren, sondern darum, für andere integrativer zu sein.


  • Nutzen sie geschlechtsneurale Wörter (z.B. Person anstelle von Mann oder Frau)

  • Nutzen sie vermehrt den Plural (z.B. anstelle von Studenten und Studentin kann man Hochschulangehörige schreiben)

  • Alternieren sie das Geschlecht bei Bezeichungen (einmal Programmiererin und einmal Programmierer bzw. "Er" und dann "Sie")

  • Oder verwenden sie "*Innen" als Postfix (z.B. Programmierer*Innen)

  • Verwenden sie die direkte Anrede (z.B. Teilnehmer haben folgende Regeln – Bitte beachten Sie folgende Regeln)

  • Vermeiden sie Problematische Bilder bzw. Stereotypen (z.B. statt Mannschaft nutzen Sie Team, statt Mütterberatung Elternberatung)


PS: Die Sprache, die wir in Stellenanzeigen verwenden, kann Stereotypen entweder zementieren oder ausschalten. Verwenden Sie diversifier.witty.works, um zu verhindern, dass Sie eine Sprache verwenden, die negative, unbewusste Auswirkungen auf Ihre potenziellen Bewerber*innen hat.

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