• Jrene Rolli

Homeoffice öffnet Tür für Diversität

Updated: Aug 7

Wegen Covid-19 wurde für viele das Homeoffice zum neuen Arbeitsort. Quasi über Nacht klappte, was vorher für die meisten Unternehmen undenkbar war: Den Mitarbeitenden selber zu überlassen, wo sie arbeiten und teilweise auch wann. Wer flexibles Arbeiten zum Standard macht, öffnet seine Türen für zahlreiche neue Talente, die bisher ausgeschlossen wurden. 

Der Zusammenhang zwischen Homeoffice und Diversität 


Viele grössere Unternehmen haben die Wichtigkeit von diversen Teams erkannt und Verantwortliche kümmern sich um entsprechende Massnahmen. Jedoch ermöglicht noch kaum ein Unternehmen all seinen Mitarbeitenden, ihren Arbeitsort komplett frei zu wählen. Viele haben schlichtweg den Zusammenhang zwischen ortsunabhängigem, flexiblem Arbeiten und Diversität noch nicht erkannt. Dabei wäre dies womöglich der grösste Türöffner, um neue und diverse Talente anzusprechen. 


«Wirklich ein spannender Job. Wäre er an einem anderen Ort, würde ich mich bewerben.» Sätze wie diese, höre ich aus meinem Umfeld regelmässig. 

Stellenanzeigen mit fixem Arbeitsort limitieren das Spektrum von Talenten, die sich davon angesprochen fühlen. Und zwar auf der ganzen Breite: Egal ob Geschlecht, Alter, Religion oder Herkunft. Die Gründe, wieso ein fixer Arbeitsort gewisse Menschen ausschliesst, sind vielfältig. 

Ein fixer Arbeitsort grenzt viele Menschen aus


Die Möglichkeit flexibel zu arbeiten, unterstützt unterschiedliche Lebensmodelle wie kaum eine andere Diversity-Massnahme. 

Nicht allen ist es möglich oder haben die Bereitschaft, für einen neuen Job umzuziehen oder zu pendeln. Sei dies wegen sozialen Verpflichtungen, finanziellen Abhängigkeiten oder anderen Umständen. In gewissen Regionen fehlt auch die Infrastruktur, um ohne Auto oder unter anderen Voraussetzungen sicher zum Arbeitsort zu gelangen. 


Selbst wer bereit ist, zu pendeln oder umzuziehen: Meist erschwert ein fixer Arbeitsort die Vereinbarkeit mit anderen Lebensbereichen. Der örtliche Aspekt beeinflusst schliesslich das Zeitmanagement sehr zentral. Unabhängig davon, für was Menschen die Zeit rund um die Arbeit nutzen: Familie, Ehrenamt, Hobby …    


Menschen mit körperlichen Einschränkungen oder physischen sowie psychischen Erkrankungen finden am Arbeitsort oft nicht optimale Bedingungen vor. Zudem kann für sie der Arbeitsweg wortwörtlich eine grosse Hürde sein. 


Auch religiöse Rituale sind an einem fixen Arbeitsort oder neuen Wohnort nicht immer in der gleichen Form praktikabel, wie sich dies einige Menschen wünschen. 


Homeoffice statt homogene Hochburgen


Hinzu kommt, dass sich gewisse Branchen sehr stark auf einzelne Städte und Regionen konzentrieren. Wie die Pharma-Branche in Basel, im Tech-Bereich Zürich und ganz allgemein die Konzentration von Unternehmen auf Grossstädte und ihre Agglomerationen. 


Wenn jedoch Teams auch geografisch divers zusammengesetzt arbeiten und Mitarbeitende ihre lokalen Erfahrungen und Erlebnisse einbringen, entstehen durch die verschiedenen Perspektiven letztendlich bessere Produkte. 


Dass diverse Teams erfolgreicher sind als nicht-diverse und sowohl für Unternehmen wie auch die Kundschaft von Vorteil sind, belegen diverse Studien


Wie Unternehmen flexibles Arbeiten zum neuen Standard machen


Ende Juli kommunizierten in derselben Woche Siemens und Novartis, dass sie ortsunabhängiges Arbeiten zum neuen Standard für ihre Mitarbeitenden machen. Sie überlassen weitgehend ihnen, wo und teils auch wann sie arbeiten. 


Dass Unternehmen flexibles Arbeiten zum Standard machen, ist ein wichtiger Schritt, damit es auch tatsächlich gelebt wird. Aufgrund des «Status Quo Bias» (Menschen tendieren dazu, eher in einer Situation zu verharren, als aktiv etwas zu verändern) wirkt sich ein Wechsel von «opt-in» zu «opt-out» sehr stark aus. 


Im konkreten Fall müssen sich Mitarbeitenden nicht mehr gegen den Standard und aktiv für Homeoffice entscheiden, allenfalls sogar einen Antrag dafür einreichen. Die neue Situation ist gegeben. Eine bewusste Entscheidung von einzelnen Mitarbeitenden ist hinfällig. 

Ortsunabhängige Rekrutierung 


Einige Talente sehen bereits in einem Interview vor Ort eine Hürde. Videointerviews schaffen hier eine mögliche Alternative. Es gibt Unternehmen, welche bei Bewerbungsgesprächen vor Ort die Kandidatinnen und Kandidaten bei der Anreise unterstützen oder wie beispielsweise die SBB, die Betreuung der Kinder organisieren. 

In Stellenanzeigen empfiehlt es sich, die Möglichkeiten für flexibles Arbeiten prominent neben einem allfälligen Arbeitsort aufzuführen. Dies ist ratsam, um das Interesse von Talenten aufrechtzuerhalten und sie nicht bereits zu Beginn eines Jobinserates zu verlieren. 

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